Halal

ZDF.info, 2021

Der Begriff „halal“ wird vor allem mit islamkonformen Lebensmitteln in Verbindung gebracht. Doch „halal“ bedeutet weit mehr, nämlich eine umfassende Lebenseinstellung. In der Wirtschaft spielen halal-Produkte und –dienstleistungen eine zunehmend große Rolle. Branchenkenner sprechen auch in Deutschland von einem Milliardenmarkt.

„Halal“ bedeutet erlaubt und bezieht sich auf Taten und Dinge, die im Einklang mit dem Islam stehen. Das Gegenteil von „halal“ ist „haram“, also verboten. Das halal-Konzept bezieht sich auf die gesamte Lebenswelt der Muslime, von der Ernährung, bis hin zur Kleidung, Arbeit, Freizeit und sogar der Partnerwahl. Da es mehrere Rechtsschulen im Islam gibt, kann auch die Auslegung der Begriffe „halal“ und „haram“ unterschiedlich sein.

Derzeit leben fast zwei Milliarden Muslime weltweit. Sie gehören zu den am schnellsten wachsenden Gesellschaftsgruppen. Daraus ergibt sich ein großes Marktpotential, das in Ländern wie Frankreich oder England schon sehr weit ausgeschöpft wird. Auch in Deutschland gewinnen halal-Produkte immer mehr an Bedeutung. Die IHK Hannover unterstützt mit der Deutschlandweit einzigen „Arbeitsgruppe Halal & Koscher“ Unternehmen bei dem Markteintritt. Hier geht man davon aus, dass der Boom in diesem Marktsegment noch an Fahrt gewinnt.

Die Kehrseite des Wachstums ist ein hart umkämpfter Zertifizierungsmarkt, der laut IHK mit „Wild-West-Methoden“ Marktanteile erobern möchte. Außerdem wird der Begriff „halal“ oftmals nur als bloßes Marketinginstrument genutzt.

Gesellschaftspolitisch kann eine zu strikte Auslegung der halal-Vorschriften kritisch betrachtet werden, denn sie kann zu Abschottung und Radikalisierung führen. Strenge Kleidervorschriften – vor allem für Frauen – können als Zeichen der Unterdrückung gesehen werden.

Auf der anderen Seite werden halal-Symbole und –Produkte von rechten oder islamkritischen Gruppierungen als Ziele für Proteste missbraucht. So gab es etwa bei der Umbenennung der Krefelder Eissporthalle in die „Yayla-Arena“ einige Proteste. Der Namensgeber Yayla ist ein auf anatolische halal-Produkte spezialisiertes Unternehmen. Manche Konzerne exportieren aus Angst vor solchen Protesten ihre Produkte und bringen sie bewusst nicht auf den deutschen Markt.

In der Dokumentation kommen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Religion und Wirtschaft zu Wort. Es werden Beispiele für halal-Produkte aus den Bereichen Tourismus, Finanzen und Mode gezeigt. Das Schächten (rituelle Schlachtung) von Lämmern wird begleitet und natürlich spielt auch der Bereich Lebensmittel eine Rolle.